HER2-Mutationen

Anders als bei der HER2-Amplifikation führen aktivierende Mutationen im HER2-Gen zu einer veränderten Form des HER2-Proteins. Dadurch kommt es zu einer unkontrollierten, konstitutiven Aktivierung der Signalwege, die das Tumorwachstum antreibt – ohne vorherige Homo- oder Heterodimerisierung des HER2-Rezeptors.1

Mutationen finden sich in allen Exons des HER2-Gens, wobei eine erhebliche Heterogenität sowohl zwischen als auch innerhalb verschiedener Krebsarten besteht.2 Mutationen im HER2-Gen, die die extrazelluläre Domäne, die Transmembran-Domäne oder die Tyrosinkinase-Domäne des HER2-Proteins betreffen, sind in der Lage, HER2-Signalwege zu aktivieren, selbst wenn keine überzähligen Kopien des HER2-Gens vorliegen.2

Bei einer Analyse von 25 verschiedenen Krebsarten traten HER2-Mutationen am häufigsten in der Tyrosinkinase-Domäne auf (46 %), darunter Mutationen in Exon 20 (20 %), Exon 19 (11 %) und Exon 21 (9 %).3 Darüber hinaus fanden sich 37 % der HER2-Mutationen in der extrazellulären Domäne.3

Schematische Darstellung des HER2-Gens (Mod. nach Connell et al, 2017).2

Aktivierende HER2-Mutationen wurden erstmals beim Lungenkrebs entdeckt.2 Die HER2-Mutationen treten hier zu 48 % im Exon 20 auf, also innerhalb der Tyrosinkinase-Domäne. Dabei sind In-Frame-Insertionen die häufigste Mutationsform.1,3,4 In der Regel schließen sich diese Mutationen gegenseitig mit anderen onkogenen Treibermutationen aus und treten nur selten gemeinsam mit HER2-Amplifikationen auf.1,4

Mittlerweile wurden aktivierende HER2-Mutationen bei einer Vielzahl solider Tumorarten nachgewiesen, am häufigsten bei Blasenkrebs.5

(Mod. nach Oh et al, 2020).5

* Die Angaben zur Prävalenz von HER2-Alterationen variieren in der Literatur stark. Die hier angegebenen Prozentsätze stammen aus einer Quelle. Andere Quellen können davon abweichen.

Im Gegensatz zur HER2-Genamplifikation wurden HER2-Genmutationen bisher selten routinemäßig klinisch getestet, weshalb nur wenige Daten zur Prognose und zum Ansprechen auf die Behandlung vorliegen.2 In den aktuellen Leitlinien des National Comprehensive Cancer Network (NCCN) für das Nichtkleinzellige Lungenkarzinom werden HER2-Mutationen zu den zukünftigen Biomarkern („Emerging Biomarkers“) gezählt, um Patienten für neue Therapien, z. B. mit HER2-Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (ADCs), zu identifizieren.6